Ich habe eine Aufgabe für uns Brown. Es ist eine Aufgabe, die sicherlich nicht an einem Tag gelöst werden kann. Und ganz bestimmt nicht von uns allein. Eine Aufgabe, die uns sicherlich keinen Workshop oder eine Rechnung beschert. Es ist vielmehr eine Aufgabe, die Millionen von Menschen das Leben erleichtern und mir selbst das Gefühl geben könnte, etwas sinnvolles getan zu haben. Es geht dabei um folgendes:
In einem großen Babyforum ruft eine alleinerziehende Mutter verzweifelt nach Hilfe. Sie ist krebskrank und weiß nicht, ob sie das alles noch alleine packt. Sie hat zwei Kinder, die sie aus eigener Kraft nicht mehr versorgen kann. Sie ist kurz davor aufzugeben, sie hat keine Freunde an ihrem Wohnort, Verwandte gibt es auch keine in unmittelbarer Umgebung. Der leibliche Vater ist pyschisch nicht in der Lage Kinder zu erziehen, er wendet Gewalt an, so dass eines der Kinder schon in psychiatrische Behandlung musste, weil die Mutter das Kind an den Vater gegeben hat. Diese Frau bittet in einem Internetforum wildfremde Menschen um Hilfe. Sie sucht händeringend nach einem Netzwerk, welches ihr unter die Arme greift und natürlich auch eine langfristige Versorgung für ihre Kinder, falls sie den Kampf gegen die Krankheit verliert.
Ich finde diese Geschichte herzzerreissend, aber eben nicht unbedingt ein Einzelfall. Auch ich mache mir natürlich Gedanken darum, was wohl wäre, wenn wir als Eltern plötzlich nicht mehr wären. Gut, wir haben eine Familie. Aber hätten wir wirklich so gute Freunde, sozusagen die ursprüngliche Funktion von Paten, die unsere Kinder aufnehmen und versorgen? Ich finde es eine grausame Vorstellung, nicht zu wissen, wer später mal die Obhut und Erziehung meiner Kinder übernimmt, sollte ich und meine Frau - Gott bewahre - nicht mehr da sein. Es sind Gedanken, die man gerne verdrängt, aber Situationen, die jeden Menschen mit Kindern betrifft. Wir schieben diese Verantwortung gerne vor uns hin, immer in dem Glauben, dass UNS sowas nicht geschehen könnte. Doch wir alle wissen, es kann verdammt schnell gehen.
Ich weiß nicht, ob es eine Lösung gibt für diese Gedanken. Ich weiß nur, dass mich das Thema in den letzten beiden Tagen beschäftigt hat und dass es sicherlich einen Weg gibt, nicht nur dieser Frau zu helfen, sondern allen verantwortungsvollen Eltern, mit solchen Überlegungen. Netzwerk ist das Stichwort. Früher war der Staat oder die Kirche dieses Netzwerk, ich weiß nur nicht ob man sich heute noch so unkompliziert darauf so stützen kann? Ob es bei all dem Sozialabbau noch meinen Qualitätskriterien entspricht? Gleichzeitig werden die Familienbänder schwächer. Die Großfamilie transzendiert in der Anonymität der Großstadt und ich glaube es wird auch immer schwerer, echte Freunde zu finden, also Freunde die sich mit anderen Dingen auseinandersetzen als über einen Kinofilm oder das Tausenkilometerentfernte Weltgeschehen.
Es ist eine kulturelle Herausforderung, über die wir zumindestens mal nachdenken können. Danke.
Letzte Kommentare