Breitenbach & Brown
9. Mrz 2009

Augenpropaganda: Kraulquappen

Aus der Reihe “Ideen für Unternehmen, die uns eh nicht buchen würden” oder “Ich kauf mir nix was ich nicht seh’ und das ist nicht orange”.

Gestern war ich mit meinem Sohn im Schwimmbad. Er ist 2 Jahre alt und benötigt natürlich für seine Ausflüge mir mir ins große Becken eine Schwimmhilfe. Natürlich greift man als Eltern zu allererst auf die eigene, uralte Erfahrung zurück, die man damals als Kind gemacht hat, also wird ganz selbstverständlich zu den orangenen Plastikflügeln gegriffen, die es sicherlich auch schon vor über 30 Jahren gab. Diese Schwimmflügelart muss nicht für sich selbst werben. Es ist - noch - ein Selbstläufer weil

a) Traditionelles Produkt, daher verhaftet mit der vergangenen Erinnerung der gegenwärtigen und zukünftigen Käufer (”hatte ich früher schon” bzw. “das sind halt DIE Schwimmflügel”)

b) Tausendfache präsente Vorbilder in den Schwimmbädern dieses Landes. Also quasi Augenpropaganda.

Ich habe gestern spaßeshalber den Test gemacht. Schätzungsweise 80-90% der schwimmflügeltragenden Kinder trägt das gute alte orangene Traditionswerk. Und der Rest?

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2. Mrz 2009

Werte schaffen: 3 Ansätze für die Musikindustrie

Werte sind grundsätzlich - wie so vieles, jedenfalls ist das meine Überzeugung als radikaler Konstruktivist - vom Menschen konstruiert. Werte entstehen immer nur im Zusammenhang mit einem persönlichen Kontext. Für den einen ist es ein alter, falsch bedruckter Papierfetzen - für andere ist das gleiche Stück der goldene Gral der eigenen Zunft der Philatelisten. Was für den einen wertlos erscheint, wird für andere Menschen mit hunderttausenden von Euros bewertet. Brauche ich also einen, der 100.000 EUR zahlt oder 100.000 Menschen, die bereit sind einen Euro zu zahlen? Was ist dabei effizienter?

Die Frage der Zukunft, angesichts der großen Krise, sollte also nicht lauten “Was kostet es?”, sondern die völlig umgekehrte Frage “Was ist es DIR wert?” oder noch besser “Was müssen wir tun, damit es dir etwas wert ist?”

Denken wir doch mal an die arme Musikindustrie. Klar, man kann jetzt immer wieder das alte “copy kills music” Mantra herunterleihern. Aber man muss sich ernsthaft die Frage stellen, was zu diesem offensichtlich mangelndem Wertbewusstsein der Konsumenten geführt hat und wie man dem außerhalb von juristischen Sanktionen (kein Mensch will gerne seiner Freiheit beraubt werden) Herr wird oder noch besser: Wie kann man aus dieser veränderten Situation lernen bzw. sie sogar für sich nutzen? War es nicht gerade die Konzentration auf Massenproduktion und -geschmack, eben die lieblose Beliebigkeit, die genau dieses Phänomen hervorgerufen hat? CDs pressen kann in der Tat heute jeder, Musik machen wohl auch. Wo kann man also einen Wert erzeugen, der Menschen dazu veranlasst wieder für Künstler und deren Produkte zu bezahlen? Hier drei kurz skizzierte Ansätze:

1. Exklusive Fans, Fans und nochmal Fans
Ein echter Fan - und damit meine ich die richtig eingefleischte Sorte - wird immer bereit sein mehr Geld für ihre Idole auszugeben als Ottonormalkopierer, vorausgesetzt er bekommt im Gegenzug ein bißchen mehr Nähe. Aber bitte nicht jetzt den Fehler machen und sich in kostenloser Manier 2.0 sich ganz und gar dem generellen Publikum per Twitter, Blog, Podcast, kleinen Clubabenden etc. pp. öffnen, sondern ganz bewusst in den exklusiven Fanclub zurückziehen und dort den geheimen Zauber für dessen Mitglieder stattfinden lassen.

Ich glaube es wird noch viel zu wenig Energie, Zeit und Gehirnschmalz in solche Fanclubüberlegungen gesteckt, bzw. man hat es bisher meines Erachtens versäumt, dort professionell und intensiv daran zu arbeiten (Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich auch und es läuft bereits was in der Richtung). Grundprinzip lautet also immer: Distanz der Künstler nach außen - Nähe zum Künstler im Inneren. Belohnung von Fans erhöht deren Involvement und somit natürlich auch den Wert der entsprechenden Leistung. Die Kombination aus äußerer Distanz und das Locken mit einer exklusiven Zugehörigkeit eines inneren Zirkels erhöht das Verlangen dabei zu sein.

2. Immer ans Limit!
Auch hier arbeitet die Musikindustrie ja schon ansatzweise daran: Special Edition Boxes. Aber da geht natürlich noch sehr viel mehr. Vor allem sollte man sich stärker spezialisieren und auf die Eigenschaften der jeweiligen Fan-Interessen achten.

Ich denke da beispielsweise auch an eine Kombination von ganz vielen verschiedenen Ideen. Wieso nicht in jede 99. CD mit einer Konzertkarte für einen kleinen lauschigen Clubabend beifügen (anschließendes Bootleg natürlich als USB-Stick) oder den Verkauf einem Einlass zu einem exklusiven Privat-Social-Network beifügen? Limitation steigert grundsätzlich immer den Wert einer Sache (vorausgesetzt es besteht generelles Interesse). Masse mindert den Wert. Kleines BWL-Einmaleins und doch scheinbar so schwer umzusetzen, natürlich weil Wertsteigerung auch immer ein gewisses Invest erfordert, also ein Invest in kreative Ideen, außergewöhnliche Vertriebswege, rechtliche Fallstricke, Qualität und und und. Es ist natürlich auch den ersten Blick wesentlich einfacher den üblichen, bekannten Weg zu gehen, aber wir wissen ja mittlerweile wie abgelascht der schon ist.

3. Simplizität, Orientierung und Vertrauen
Vereinfachung des Lebens bedeutet immer auch eine Wertsteigerung, ganz einfach weil sich dadurch die Lebensqualität der Menschen erhöht und man das meistens auch in einem gewissen Umfang zu schätzen weiss. Gäbe es beispielsweise einen Dienst für mich, bei dem ich nach meinem neusten Musikgeschmack jede Woche oder Monat brandneue Künstler für meinen iPod oder auf CD bekommen könnte, so wäre das für mich ein Wert. Noch wertvoller wird es dann, wenn ich jemanden vertrauen kann bzw. der mir einfach Arbeit abnimmt. Bei all den tausenden von Web 2.0 Musiklösungen und den millionenfachen Musiktiteln, vermisse ich ein entscheidendes Format sehr sehr stark: Die Musikshow, die Hitparade, den leitenden DJ meines Vertrauens: Einen John Peel 2.0 - bei dem ich weiß, dass er mir den heißesten Scheiss im Musicbiz vorspielt und es sich immer wieder lohnt ihm zuzuhören und seinem Geschmack zu fogen.

Vorbilder schaffen Wert. Vorbilder sparen Zeit und das nimmt mir als Musikfan die Arbeit ab, mich alleine durch den ganzen Rotz, den ich eben nicht so mag, durchzuwühlen. Musik braucht Begleitung und zwar nicht in Form von Werrbejingles, sondern in Form von Menschen, die wir mögen und denen wir vertrauen können. Eben einen Dieter. Einen Thomas. Einen Heck!

25. Feb 2009

SMEBS oder welchen Wert haben Twitter und Kollegen?

Momentan erlebt Twitter eine Trendwelle. Die klassischen Massenmedien entdecken das Thema für sich und immer öfter poppt die Anwendung und deren Starprotagonisten in Funk und Fernsehen auf. Das erinnert ein wenig an Second Life vor einigen Jahren. Das Ding. Jeder muss rein. Bloß nichts verpassen, da geht was. Das ist der Grund warum Second Life in der Hochzeit des Hypes enorme Nutzerzahlen verbuchen konnte. Jeder musste mal rein und ausprobieren um dann meist schon nach wenigen Minuten frustriert von der überforderten Bedienung den erstellten Avatar als Accountleiche zurückzulassen. Geplatzt ist die Hypeblase wegen den zu hohen technischen Barrieren und der Komplexität seiner Anwendung. Nicht massentauglich, nicht omakompatibel. Ich glaube aber nicht, dass Second Life an sich gescheitert ist. Ich glaube Second Life ist gescheitert, weil man es zur Massenanwendung hochstilisiert hat. Warum eigentlich? Wieso werden Anwendungen erst für uns relevant, wenn sie alle Menschen benutzen und nicht, wenn sie einer überschaubaren Anzahl von Menschen einen Nutzen bringen?

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23. Jan 2009

Ideen, die ich liebe: Eintrittsarmbänder

Nach so schwerer kulturell-lyrischen Kost mal wieder etwas leichteres: Georg hat mir heute per Skype von seiner sensationellen Idee berichtet und später hat er auch darüber gebloggt. Ich war gleich hin und weg und habe mich gleichzeitig sehr geärgert, dass ich diese Idee nicht hatte und sie umgehend irgendjemanden verkaufen kann. Aber seht und lest selbst:

Es geht dabei im Grunde genommen um zwei Dinge:

1. Mit einer sehr einfachen Idee und einer sehr kostengünstigen Belohnung (halber Eintritt, einen Tag Bier umsonst, whatever) die Menschen dazu zu bringen, ein Jahr lang als lebendige und begeisterte Werbefläche umherzulaufen. Nein, dagegen habe ich rein gar nichts. Ich finde das richtig cool (Ich weiß, Brown wird es hassen) und ich selbst als begeisterter Festivalbesucher, würde mir überlegen, ob ich es auch ein Jahr lang tragen würde. Ich meine, ich würde das ja sowieso auch ohne Belohnung tun, wenn meine Frau mir das Ding nicht schon vorher nach einigen Monaten wieder abschneiden würde, weil es langsam anfängt zu riechen. Aber mit einer knackigen Belohnung erzeugt man wirklich nochmal einen sehr schönen Zusatzanreiz.

2. Man hat nicht nur eine sichtbare Werbefläche, sondern stets einen Gesprächsaufhänger, vor allem in den Wintermonaten. Wenn man nicht gerade Wolle Petry heisst, dürften diese Armbänder in den beheizten Clubs und Kneipen schon ein bisserl auffallen. Auch wenn man zu seriösen Festivitäten geladen ist, sowas wie Hochzeit, Geburtstag oder Beerdigung. Ein Gespräch oder wenigstens ein abfällig bis bewundernder Hingucker ist ganz gewiss drin.

Das sind Ideen, wie ich sie liebe. Und ich hoffe, dass die Festivalveranstalter von FKP Scorpio bis haste nicht gesehen, mal über diese coole Idee nachdenken und Georg zur Belohnung wenigstens mal nächsten Sommer freien Eintritt und Backstage inklusive zukommen lassen.

Wir sind sehr stolz auf dich junger Padawan!

PS: Ich setze noch einen drauf und frage mich, wieso man dem Eintrittsband nicht gleich noch eine sinnvolle Funktion hinzufügt:

Warum nicht 5 EUR mehr zahlen (oder einen potenten Sponsor finden) und man hat gleichzeitig eine schöne Armbanduhr, die man somit auch getrost das ganze Jahr tragen kann. Zum Beispiel …

Swatch und diverse Zigarettensponsoren wären bestimmt ganz happy. Wenn ihr diese Idee “stehlt”, dann denkt wenigstens an uns und schickt uns Karten und Kippen. Oder bucht uns ganz einfach für einen Workshop. Danke.

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